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© (Foto: Janine Bergendahl)

Wir besuchen Betroffene, denen der Straßenbaubeitrag droht (Mönchengladbach)

Newsticker Nordrhein-Westfalen / Meldungen 09.05.2019, Janine Bergendahl

Wenn die Straße vor der eigenen Tür um- oder ausgebaut wird, müssen die Anlieger in NRW zahlen.

Dann werden schnell mehrere Zehntausend Euro fällig. Rentner, junge Familien, selbstständige Unternehmer – Straßenbaubeiträge können jeden treffen. Wir haben einen 83-jährigen Mönchengladbacher besucht, dem genau so eine Zahlung jetzt blüht.

Der Reitstall Barthelmes in Mönchengladbach-Giesenkirchen ist eine kleine Idylle, in der die Zeit stehen geblieben scheint. Viel Grün, eine Reithalle, wiehernde Pferde neben friedlich malmenden Ponys, das Glas Cola gibt´s für 1,50 Euro. Hier kommen die Kinder und Mütter aus der Umgebung gerne zum Reiten hin. „Unschlagbar günstig“, sagen sie. Die Zeiten sind vielleicht bald vorbei. Denn über Klaus Barthelmes, dem Eigentümer des Reiterhofs, hängt ein Damokles-Schwert: 91.000 Euro soll er für die Erneuerungen an der Straße „Bahner“ berappen. 
Er hat bereits im Oktober 2016 ein entsprechendes Informationsschreiben der Stadt bekommen und schon bald kann der endgültige Bescheid ins Haus kommen: „Wenn ich diese Summe wirklich zahlen soll, muss ich den Reitstall aufgeben.“

Noch sind die Bauarbeiten vor der Haustür im Gange. Die Straße wird ausgekoffert und neu aufgebaut. Doch auch diese Maßnahme ist für den Reitstallbesitzer bereits eine Belastung: „Wir haben seit einem Jahr enorme Einbußen durch die Baustelle. Der Bus muss weiter weg halten, die Eltern, die mit dem Auto kommen, müssen einen riesigen Umweg fahren – es kommen dadurch deutlich weniger Kinder zum Reiten.“ Seine Tochter Claudia ist Reitlehrerin in der Reithalle Barthelmes und dadurch ebenso direkt von der Baustelle betroffen. Sie wird den Familienbetrieb irgendwann einmal erben und macht sich natürlich auch Sorgen, wenn sie an den drohenden Straßenbaubeitrag denkt. „Wenn wir die 91.000 Euro für die Straße zahlen müssen, wird es sehr, sehr schwierig.“

 (Foto: Janine Bergendahl)

Klaus Barthelmes ist hier geboren, er lebt in seinem Elternhaus. Den Reitstall ließ er bereits 1972 errichten. Über die Jahre baute Klaus Barthelmes immer wieder dazu, ab und um. 25.000 Quadratmeter Land gehören ihm, darauf liegen vier Wohnungen, der Reitstall, die Koppel und die Gastronomie. Man könnte meinen, ihm müsste es doch gut gehen. Aber die Anlage ist groß, arbeitsintensiv und muss naturgemäß immer wieder saniert werden. „Ich habe jetzt schon 400.000 Euro Schulden für die ganzen Renovierungsmaßnahmen über die Jahre aufnehmen müssen. Glauben Sie, in meinem Alter bekomme ich noch einmal einen Kredit?“ 
Der pensionierte Industriekaufmann ist 83 Jahre alt, körperlich und geistig fit, hält den Reitstall in Schuss – doch für Banken zählen die nackten Zahlen. So kann er auch nur schmunzeln, wenn man ihm zur Ratenzahlung rät. „Wie lang soll ich das denn abstottern?“
Besonders ärgert ihn, dass er erst vor einigen Jahren die Zufahrt (linkes Bild) gekauft hat. Diese wenigen Meter an der Straße sorgen nun für die satte Summe, die bei der Erneuerung der „Bahner“ auf ihn umgelegt werden soll. Die Höhe der Beteiligung errechnet sich nach der Grundstücksgröße, nicht nach den Straßenmetern. 
Eine schwache Hoffnung bleibt ihm noch: „Die Stadt hat die ersten Informationsschreiben vielleicht extra hoch angesetzt, weil sie nachher nicht über den dort genannten Betrag hinaus abrechnen dürfen.“

„Wenn wir die 91.000 Euro für die Straße zahlen müssen, wird es sehr, sehr schwierig.“

Klaus Barthelmes macht sich große Sorgen, wie es weitergehen soll. Umso engagierter unterstützt er die Volksinitiative vom Bund der Steuerzahler Nordrhein-Westfalen: Über 500 Unterschriften hat Klaus Barthelmes für die Volksinitiative „Straßenbaubeitrag abschaffen“ gesammelt. „Ich habe alle angesprochen, Freunde, Familien, Reiter, dass sie unterschreiben sollen.“ 
Er setzt deshalb große Hoffnungen in die BdSt-Volksinitiative und dass die Politik letztlich im Sinne der Betroffenen entscheidet. „Ich bin seit 45 Jahren in der CDU. Im Landtag ist die Union gegen die Abschaffung. Das hat mich wirklich erschüttert. Die können doch nicht am Bürger vorbei entscheiden.“ 
Für Klaus Barthelmes, seine Tochter und seinen Sohn, die beide im Reitstall mitarbeiten, geht es jetzt um die Existenz und den Erhalt seines Lebenswerks. „Wir haben zu kämpfen, das glauben Sie mal.“

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