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Senkung der Umsatzsteuer: Wäre durch weniger Ausnahmen möglich
Die diversen ermäßigten Umsatzsteuersätze in Deutschlandverursachen hohe Steuerausfälle und sind oft nicht überzeugend begründet. Zudiesem Ergebnis kommt eine aktuelle Analyse des Leibniz-Zentrums fürEuropäische Wirtschaftsforschung (ZEW) im Auftrag des Bundesfinanzministeriums.
Sie zeigt, dass die Vielzahl an Ausnahmetatbeständen dieSteuerbasis erheblich schmälert: Allein im Jahr 2026 würden sich dieMindereinnahmen auf rund 43,5 Milliarden Euro summieren. Eine Reduzierung derAusnahmetatbestände könnte das Steuersystem nicht nur vereinfachen, sondernauch Spielräume für eine Senkung des regulären Umsatzsteuersatzes schaffen,meint das ZEW.
"Viele ermäßigte Steuersätze sind historisch gewachsen,aber heute kaum noch zu rechtfertigen. Diese Vergünstigungen sind wederverteilungspolitisch überzeugend noch wirtschaftlich sinnvoll. Statt immer neueAusnahmen zu schaffen, sollte die Steuerpolitik stärker auf ein einfaches undtransparentes System setzen", so Friedrich Heinemann, Leiter desZEW-Forschungsbereichs "Unternehmensbesteuerung und ÖffentlicheFinanzwirtschaft".
Daniela Steinbrenner, Wissenschaftlerin im selbenForschungsbereich, ergänzt: "Ein Abbau schlecht begründeter Ausnahmenwürde nicht nur die Einnahmesituation verbessern, sondern auch Bürokratiekostenund Abgrenzungsprobleme deutlich reduzieren."
Die Evaluation zeige ein differenziertes Bild, so das ZÈW:Besonders gut begründbar seien reduzierte Steuersätze für Lebensmittel, denöffentlichen Personennahverkehr sowie Photovoltaikanlagen. Diese Maßnahmenerreichten entweder verteilungspolitische Ziele – etwa durch Entlastungeinkommensschwächerer Haushalte – oder förderten erwünschte administrativeEffekte.
Viele andere Bereiche schneiden laut ZEW deutlich schlechterab. Insbesondere für Gastronomie- und Beherbergungsleistungen sowie Teilekultureller und gesundheitlicher Angebote fehlten überzeugende Rechtfertigungenfür einen reduzierten Steuersatz. Hier profitierten häufig ehereinkommensstärkere Haushalte, während gleichzeitig hohe Steuerausfälle entstünden.Zielgenauere Instrumente wären direkte Transfers, da sie häufig effizientersind als pauschale Steuersenkungen.
Simulationen in der Analyse zeigten, dass ein Abbau vonSteuervergünstigungen erhebliche Spielräume eröffnet. Würden ermäßigteSteuersätze vollständig abgeschafft, könnte der reguläre Satz rechnerisch von19 auf 16,7 Prozent gesenkt werden. Realistischere Reformoptionen, etwamit Beibehaltung der Lebensmittelermäßigung, ermöglichten ebenfalls eineSenkung. Hier wären kaum negative Verteilungseffekte zu erwarten, währendgleichzeitig die Steuerstruktur vereinfacht würde.
Leibniz-Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung, PM vom17.04.2026