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Richter-Bilder in Soest: rund 40 Mio. Euro verleihen?
Über 40 Jahre lang hingen zwei Gemälde von Gerhard Richter (einst für rund 100.000 DM gekauft) in der Kreisberufsschule in Soest. Heute könnten die Werke bis zu 40 Millionen Euro wert sein. Nun sollen die Bilder dauerhaft als Leihgabe an das LWL-Museum für Kunst und Kultur in Münster gehen. Statt diesen „Lottogewinn“ für den Kreishaushalt zu nutzen, wurden sie verliehen – ohne breitere politische Beteiligung. Was diese Entscheidung für Kommunen und Steuerzahler bedeutet, erfahren Sie hier:
Wie die Bilder in die Berufsschule kamen
Als 1979/80 die Kreisberufsschule den Künstler Gerhard Richter zum Sieger Ihres Wettbewerbs „Kunst am Bau“ erklärte, ahnte wohl niemand, welche Wertentwicklung die Werke erfahren würden, die seitdem im Foyer der Berufsschule hingen; abgesehen von einer befristeten Leihe eines der Bilder nach Paris, dort gab es eine umfassende Richter-Ausstellung. Der Soester Anzeiger recherchierte, dass die zwei Bilder "Strich (auf Rot)" und "Strich (auf Blau)" in dem ungewöhnlichen Format 1,90 mal 20 Meter für rund 100.000 DM gekauft wurden. Ein internationaler Kunstexperte taxierte gegenüber dem WDR die Bilder auf rund 40 Millionen Euro.
Leihgabe ans LWL Museum Münster
Auf Dauer ist das Foyer einer Berufsschule wohl nicht der geeignete Ort für solche Werte. Und so kamen nach WDR-Recherchen und des Soester Anzeigers die Kreisverwaltung und der Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) überein, dass die Bilder als Dauerleihgabe im LWL Museum in Münster hängen sollten. Der Direktor des LWL: „Das weist überdies auf die besondere Verbundenheit des Kreises Soest zum LWL hin, die sich auch in der Unterstützung durch Eva Irrgang, ehemalige Soester Landrätin und amtierende Vorsitzende der LWL-Landschaftsversammlung, zeigte.“
Votum von Städten und Gemeinden fehlt
So weit so gut? „Nein“ sagt BdSt NRW Haushaltsexperte Jens Ammann gegenüber verschiedener Medien. Die Wertentwicklung ist für den Kreis wie ein großer Lottogewinn. Angesichts von möglichen 40 Millionen Euro dürfen solche Entscheidungen der Dauerleigabe nicht aus Verbundenheit und nicht ohne Kreistagsbeschluss gefasst werden.
Wir würden sogar einen Schritt weitergehen und das Votum der kreisangehörigen Städte und Gemeinden einholen. Sie sind es schließlich, die über die so genannte Kreisumlage den Kreisen das Geld für deren Haushalte zur Verfügung stellen. Und von vielen kreisangehörigen Kommunen hat der BdSt NRW auf seiner „Steuerwehr-Tour“ gehört, wie sehr die Kreisumlage deren Haushalte belastet. Nahezu alle Kommunen stöhnen unter wachsenden Ausgaben und damit einhergehenden steigender Schulden und einer steigenden Grundsteuerbelastung.
Verkauf brächte Kreishaushalt um 40 Mio. Euro
Durch einen Verkauf der Werke beispielsweise an ein großes internationales Museum könnte der Kreishaushalt voraussichtlich um 40 Millionen Euro entlastet werden, das sind fast 20 Prozent des Kreishaushaltes. Um diesen Prozentsatz könnten die Kreisumlage im Jahr 2026 reduziert werden. Außerdem könnten Jahr für Jahr rund 1,2 Millionen Euro Zinsen für die Verschuldung der Kreiskommunen gespart werden.
Keinen "Lottogewinn" verleihen
Deshalb sieht der BdSt NRW sehr gute Argumente für einen Verkauf der Bilder und kann nicht nachvollziehen, weshalb weder der Kreistag noch die kreisangehörigen Städte und Gemeinden gefragt wurden. Ob die einen Lottogewinn verleihen würden?
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