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Finanzwissen für Journalisten
"Steuer vom Amt - bequem, aber nicht risikolos"
Für 5000 bis 7000 Steuerpflichtige in Hamburg will künftig das Finanzamt die Steuererklärung machen, wenn die Betroffenen einverstanden sind. Im Rahmen eines Pilotprojekts wird damit ein neuer Service der Finanzämter getestet, wie die Finanzbehörde mitteilte. Damit schließt sich die Hansestadt den Bundesländern Hessen, Thüringen, Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein an, die das Projekt mit dem Namen "Ihre Steuer: Macht jetzt das Finanzamt für Sie!" ebenfalls erproben.
Nach der Ankündigung der Hamburger Finanzbehörde, die Steuererklärung für viele Bürger deutlich zu vereinfachen, erklärt der Bund der Steuerzahler Hamburg e.V.:
Hamburg setzt künftig auf zwei neue Modelle: Mit der "Steuererklärung mit einem Klick" wird bundesweit eine vorausgefüllte Erklärung eingeführt, die vor allem ELSTER-Nutzer mit wenigen Schritten abgeben können. Gleichzeitig testet Hamburg ein Pilotprojekt, bei dem das Finanzamt selbst einen Vorschlag für den Steuerbescheid erstellt ("Ihre Steuer: Macht jetzt das Finanzamt für Sie!"). Dieses Verfahren startet zunächst im Finanzamt Hamburg-Ost für etwa 5.000 bis 7.000 ausgewählte Fälle.
Beide Angebote richten sich zunächst an einfache Standardfälle - insbesondere Arbeitnehmer und Rentner ohne komplexe Einkünfte. Während das Klick-Modell die Steuererklärung vereinfacht, geht das Pilotprojekt einen Schritt weiter: Hier erstellt das Finanzamt erstmals einen konkreten Vorschlag für den Steuerbescheid.
Damit beteiligen sich mehrere Bundesländer an einem gemeinsamen Pilotprojekt zur vereinfachten Steuerveranlagung. Die länderübergreifende Zusammenarbeit bietet die Chance, Entwicklungen effizient zu bündeln und Doppelarbeit zu vermeiden - und damit perspektivisch auch Kosten zu sparen.
Dazu erklärt Sascha Mummenhoff, Landesvorsitzender des Bund der Steuerzahler Hamburg e.V.:
"Der Ansatz ist richtig: Weniger Bürokratie, mehr Digitalisierung - das ist überfällig. Für viele einfache Fälle kann das Verfahren tatsächlich eine spürbare Entlastung bringen.
Aber die Kehrseite wird politisch gern ausgeblendet: Die Verantwortung bleibt vollständig beim Steuerzahler. Wer den Vorschlag einfach bestätigt oder nicht reagiert, bekommt den Steuerbescheid - auch dann, wenn wichtige Ausgaben fehlen.
Das Problem ist strukturell: Das Finanzamt kennt viele Daten, aber nicht alles. Werbungskosten, Handwerkerleistungen oder individuelle Belastungen muss man weiterhin selbst angeben. Wer das nicht tut, zahlt im Zweifel zu viel.
Hinzu kommt ein psychologischer Effekt: Ein fertiger Vorschlag vom Finanzamt wirkt verbindlich. Viele werden ihn einfach akzeptieren, ohne genau hinzuschauen. Genau darin liegt das Risiko. Bequemlichkeit kann hier schnell Geld kosten.
Wichtig ist deshalb auch: Das Ganze ist ein Pilotprojekt für ausgewählte Fälle, keine Abschaffung der Steuererklärung. Und auch das Klick-Modell ändert daran nichts.
Unterm Strich gilt: Das Verfahren kann den Alltag erleichtern. Aber es verschiebt die Verantwortung nicht. Es macht sie nur unsichtbarer. Wer sein Geld nicht verschenken will, muss weiterhin genau prüfen."
Morgenpost:
www.mopo.de/hamburg/steuererklaerung-vom-finanzamt-wer-in-hamburg-jetzt-profitiert/