Bund der Steuerzahler - Aktuelles

Steuern

Aufregung bei hunderttausenden Rentnern: In diesen Wochen erhalten sie von der Finanzverwaltung Aufforderungen, ihre Einkommensteuererklärungen für die vergangenen Jahre abzugeben. Das stößt bei vielen auf Unverständnis, haben sie von den Finanzämtern doch die Auskunft erhalten, dass sie nicht mehr zur Abgabe der Steuererklärung verpflichtet sind. Neben einer Steuernachzahlung droht vielen Senioren dann zudem die Verzinsung der Steuerforderungen. Gegen die Zinsfestsetzung können Rentner und Pensionäre vorgehen, empfiehlt der Bund der Steuerzahler (BdSt). Wir erklären die Hintergründe und zeigen, was jetzt zu tun ist!







Fünf Fragen und Antworten

1. Warum erhalten viele Senioren gerade jetzt Post vom Finanzamt?
Das System zur Rentenbesteuerung wurde zum 1. Januar 2005 umgestellt. Seitdem müssen zunehmend auch Rentner eine Einkommensteuererklärung abgeben. Mit Einführung der steuerlichen Identifikationsnummer besteht nun die Möglichkeit, dass die Rentenversicherungsträger den Finanzämtern die Rentenbezüge für die Jahre ab 2005 übermitteln. Die Finanzämter können dann prüfen, ob der Rentner oder Pensionär eine Einkommensteuererklärung abgegeben hat.

2. Muss jeder Rentner jetzt seine Einkommensteuererklärung abgeben?
Nein. Der Übergang zur sogenannten nachgelagerten Besteuerung der Renteneinkünfte erfolgt schrittweise. Rentner, die nur eine kleine Rente beziehen und daneben keine wesentlichen anderen Einkünfte haben, müssen keine Einkommensteuererklärung abgeben. Auch für Senioren gilt, dass sie eine Einkommensteuererklärung abgeben müssen, wenn der Gesamtbetrag der Einkünfte mehr als 8.004 Euro im Jahr bei einzeln veranlagten Personen und mehr als 16.008 Euro im Jahr bei zusammenveranlagten Ehegatten beträgt (Jahr 2012). Allerdings ergibt sich bei Rentnern und Pensionären eine besondere Berechnung für die Feststellung des Gesamtbetrages der Einkünfte. Bezieht z. B. ein Rentner des Rentnerjahrgangs 2006 oder früher eine Rente aus der gesetzlichen Rentenversicherung und verfügt er über keine anderen steuerpflichtigen Einkünfte kann eine Bruttorente von bis zu 18.900 € im Jahr steuerfrei bleiben. In den Rentnerjahrgängen 2007/2008 liegen die Jahresbeträge bei 17.600 € bzw. 16.800 € pro Person. Im Zweifelsfall sollten Senioren einen Steuerberater oder Lohnsteuerhilfeverein aufsuchen und die steuerlichen Fragen abklären lassen.

3. Muss jeder, der zur Abgabe der Einkommensteuererklärung aufgefordert wird, auch tatsächlich Steuern nachzahlen?
Nein, denn auch Senioren können bestimmte Aufwendungen bei der Einkommensteuer absetzen. So können zum Beispiel Beiträge zur Krankenversicherung oder Aufwendungen für die Gesundheit, wie etwa die Kosten für eine neue Brille oder Zahnersatz die Steuerlast senken. Wer einen Handwerker oder eine Haushaltshilfe im Haushalt beschäftigt hatte, kann auch diese Kosten in der Einkommensteuererklärung angeben. Diese Posten können dazu führen, dass letztlich keine Steuern gezahlt werden müssen, obwohl eine Einkommensteuererklärung abgegeben werden musste.

4. Was ist, wenn die nachgeforderte Steuer nicht auf einen Schlag bezahlt werden kann?
Für viele Senioren kommen die Steuernachforderungen überraschend und meist zusammengeballt für viele Jahre. In der Regel verlangt das Finanzamt neben den Steuern auch noch Zinsen in Höhe von sechs Prozent pro Jahr, sodass die Forderung im Einzelfall sehr hoch ausfallen kann. Viele Senioren haben dann nicht das Geld, alles direkt zu bezahlen. In solchen Fällen sollte Kontakt mit dem Finanzamt aufgenommen und um eine Ratenzahlung gebeten werden. Grundsätzlich verlangt das Finanzamt auch bei Ratenzahlung eine Verzinsung. Der Rentner oder Pensionär sollte daher zugleich darum bitten, auf eine Verzinsung der Ratenzahlung zu verzichten.

5. Was kann gegen die Zinsnachforderung getan werden?

Viele Senioren empfinden gerade die Zinsnachforderung als ungerecht. Hätten sie rechtzeitig von ihrer Steuerpflicht gewusst, so wären die Einkommensteuererklärungen rechtzeitig abgegeben worden und damit keine Zinsen angefallen. Dies gilt vor allem für die Senioren, die vom Finanzamt die Mitteilung erhalten haben, keine Einkommensteuererklärung mehr abgeben zu müssen und im Vertrauen auf diese Auskunft keine Erklärungen angefertigt haben. Betroffene können daher einen Antrag auf Erlass der Zinsen stellen. Lehnt das Finanzamt den Billigkeitsantrag ab, kann dagegen Einspruch einlegt und das Ruhen des Verfahrens beantragt werden. Zur Begründung sollte auf das vom BdSt unterstützte Musterverfahren hingewiesen werden (FG Düsseldorf – 12 K 2776/12 AO). Trotz des Billigkeitsantrags bzw. des Einspruchs müssen die Zinsen zunächst einmal bezahlt werden. Bei einer Gerichtsentscheidung zugunsten der Senioren können die Zinsen aber ggf. später erstattet werden.

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Bilder: Robert Kneschke, Fotolia; M. Schukart, Fotolia
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